Sprachentwicklung




Sprachentwicklung beginnt nicht mit dem ersten Wort.
Wesentliche Spracherwerbsprozesse laufen bereits in den ersten Lebensmonaten ab, Vorläuferfähigkeiten entwickeln sich schon vor der Geburt.

Die Vorbereitung zur Sprachentwicklung beginnt also schon im Mutterleib.
Wenn das Kind zufrieden am Daumen lutscht und Fruchtwasser schluckt, trainiert es die Muskulatur von Lippen, Zunge und Gaumen. Auch das Gehör wird schon geschult, wenn es ab dem 5.Schwangerschaftsmonat auf Stimmen und Geräusche von „draußen“ achtet.
Wenn das Baby nach der Geburt den ersten Schrei macht, ist der Grundstein gelegt, mit seiner Umwelt Kontakt aufzunehmen.

Schreien bleibt in den ersten Lebenswochen die einzige Möglichkeit des Säuglings seiner Umgebung etwas über seine Gefühle und Bedürfnisse mitzuteilen.

Ab dem ersten Lebensmonat kann ein Baby seine Laute variieren. Die Erwachsenen reagieren darauf und das Baby „antwortet“, lächelt, brabbelt oder zeigt, dass die Reaktion seine Bedürfnisse nicht gestillt hat. Dies ist der erste kleine Dialog.

Schon mit 2 Monaten beginnt das Baby mit einer neuen Form des Sprechens: Es lallt – und probiert damit seine Sprechwerkzeuge aus.

Etwa ab dem 7. Monat werden fremde und auch selbst produzierte Laute nachgeahmt; jetzt wird das Hören zum wichtigen Bestandteil der Sprachentwicklung. Bricht hier das Lallen plötzlich ab, kann dies ein Hinweis für eine Hörstörung sein.

Mit ca. 1 Jahr beginnt das Kind zu sprechen (zwischen 2 und 10 Wörtern in Kindersprache „wau wau“), es reagiert auf seinen Namen und versteht einfachste Aufträge.

Bis das Kind 1,5 Jahre alt ist, hat es begriffen, dass jedes Ding einen eigenen, bestimmten Namen hat. Nun stehen einzelne Wörter aber auch schon für einen ganzen Satz – Einwortsatz -, es spricht 10 – 15 Wörter. Es versteht einfache Sätze und Aufgaben.
Mit 2 Jahren (20 – 50 Wörter) beginnt das Kind mit Zweiwortsätzen („Mama da“), es sagt seinen Namen und versteht nun auch längere Sätze.

Im 3. Lebensjahr erweitert sich der Wortschatz rapide (auf ca. 800 Wörter). Das Kind kann nun Sätze bilden und Fragen stellen (was/wo). Die Artikulation wird immer besser.
Es hat schon ein recht gutes Sprachverständnis.

Wenn es in den Kindergarten kommt, sollten einfache, korrekte Sätze möglich sein. Es beginnt nun schwierigere Lautverbindungen zu beherrschen, erweitert deutlich seinen Wortschatz und benutzt auch schon einmal die richtige Vergangenheitsform. Es kann kleine Geschichten erzählen.
Im Alter von 4 Jahren hat sich sein Wortschatz auf ca. 1.500 Wörter vergrößert, das Kind beherrscht seine Muttersprache weitgehend!

Bis zur Einschulung müssen alle Laute korrekt gebildet werden, die Grammatik sollte weitgehend beherrscht werden. Das Kind sollte in der Lage sein, eigene Erlebnisse aus dem Alltag sinnvoll zu erzählen. Dazu stehen ihm in der Regel 2.500 bis 3.000 Wörter zur Verfügung.

Werden kindliche Sprachstörungen nicht behandelt, so kann es zu Problemen in anderen Entwicklungsbereichen kommen. Häufig zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten sowie Störungen im sozialen Bereich. Auch die Lese-Rechtschreibschwäche ist eine mögliche Folge einer Sprachentwicklungsstörung.